Es war im Frühjahr 2005.
 
Wie schon so oft saß ich gelangweilt im Chat.
Da bemerkte ich eine Meldung:
"Schmetterling hat den Raum betreten"
Einer Eingebung folgend spielte ich das Lied
"Daniel Gerard - Butterfly",
für diesen Schmetterling als Begrüßung, in den Chatraum ein.
 
Es dauerte wirklich nicht sehr lange und schon meldete sich der Schmetterling mit einer persönlichen Nachricht bei mir. Die Musik hatte eine Brücke gebaut und so kam es zu einem ersten Gespräch zwischen uns. Natürlich bedankte sich der Schmetterling für die nette Begrüßung bei mir und natürlich redeten wir über Musik. Brigitte, so heißt der Schmetterling, und ich fanden uns sympathisch und es blieb nicht bei diesem einen Gespräch. Schnell merkten wir miteinander nicht nur über Musik reden zu können. Von Anfang an gab es zwischen uns eigentlich kein Tabu-Thema. Täglich trafen wir uns im Chat und ich machte ihr Komplimente. Was ihr, wie sie meinte, die Röte ins Gesicht trieb.
 
In Münster, bei einer gemeinsamen Chatbekannten, trafen wir uns dann zum ersten Mal real. Ich habe keine Ahnung was ich erwartet hatte, doch was ich sah überraschte mich sehr angenehm. Wow, dachte ich, kein bunter Schmetterling mit viel Farbe im Gesicht, sondern eine von Natur aus gut aussehende Frau. Bereits während der Rückfahrt von Münster nach Geldern ging mir Brigitte nicht mehr aus dem Kopf. Sehr gern wäre ich, wenigstens für ein paar Minuten, mit ihr allein gewesen. Ich wollte ihr sagen was für eine tolle Frau sie in meinen Augen ist und wie gerne ich sie auch real näher kennenlernen möchte,
doch diese Chance hatte ich Dussel vertan.
 
Mir blieb also nur die elektronische Post (Email) und der Chat um mit Brigitte in Kontakt zu bleiben. Dann fuhr sie für zwei Wochen in Urlaub. Chatten ging in dieser Zeit kaum, doch ich schickte ihr täglich mindestens eine relativ lange Email. Jeder kleine Gruß, den ich von ihr erhielt, erfreute mein Herz. Aus Sympathie war Zuneigung und Liebe geworden.
 
Unmittelbar nach dem Urlaub musste Brigitte für sechs Wochen zur Kur. Dort sollte es keinen Internetzugang geben und somit sollten es für mich sechs lange Wochen werden in denen ich ihr nur gelegentliche Briefe schreiben, oder sie manchmal telefonisch erreichen konnte.
 
Doch es kam anders.
Jeden Tag unterhielten wir uns am Telefon.
Diese Gespräche konnten schon mal bis zu drei Stunden dauern und waren einfach klasse. In dieser Zeit kamen wir uns sehr nah. Noch näher können zwei von einander getrennte Menschen sich gar nicht sein.
 
Eines Abends, bei einem unserer Telefonate, hörte ich nur noch ihren sanften Atem. Brigitte war eingenickt. Schon nach wenigen Minuten wurde sie wieder wach und es war ihr sehr peinlich. Doch das musste ihr gar nicht peinlich sein.
Ich empfand es als toll.
Für mich war es fast so als würde sie sanft in meinen Armen schlummern.
Das war schon ein super Gefühl.
 
Ich kann nicht beschreiben wie gerne ich Brigitte während ihrer Kur besucht hätte, doch es ging leider nicht. Der Kurort war viel zu weit entfernt. Wir wollten uns aber unbedingt wieder treffen und so fanden wir eine andere Lösung.
Auf ihrer Fahrt nach Hause musste sie vom Zug in einen Bus wechseln. Mit einer roten Rose, an der ein kleiner Schmetterling befestigt war, stand ich am Bahnsteig und erwartete sie.
Auch wenn dieses Treffen nur zwei Stunden dauerte so war es doch wunderbar.
Wie verliebte Teenager gingen wir, Hand in Hand, spazieren.
Dieser Nachmittag wird uns beiden wohl für Immer unvergesslich bleiben.
 
In Brigittes Ehe hatte es schon länger gekriselt
und während der Kur hatte sie sich zur Trennung entschieden.
Ich war nicht der Hauptgrund,
aber wahrscheinlich hatte ich das Fass zum überlaufen gebracht.
Sie trennte sich von ihrem Ehemann und zog in eine kleine Wohnung in Velbert.
Dann folgte, wie bei vielen anderen Paaren auch, das Trennungsjahr
und schließlich die Scheidung.
 
Wir blieben in dieser Zeit per Yahoo-Messenger und Telefon in Kontakt.
Auch besuchten wir uns sehr oft gegenseitig.
Für unsere Umwelt galten wir schon bald als Paar.
Wir liebten uns und das war einfach großartig.
 
So verging die Zeit. Sie lebte ihr Leben in Velbert und ich meines in Geldern.
Jeden Abend unterhielten wir uns per Messenger.
Die Wochenenden verbrachten wir gemeinsam.
Meistens besuchte Brigitte mich in Geldern.
Wir führten eine Fernbeziehung und das war irgendwie blöde.
Sehr gern wären wir täglich zusammen gewesen.
 
Im Juni 2009 erhielt ich dann von meinem Arbeitgeber die Kündigung.
Da ich in Geldern keinen neuen Arbeitsplatz finden konnte hielt mich Nichts mehr dort fest. Endlich konnte ich zu Brigitte nach Velbert ziehen. Wir suchten uns eine gemeinsame Wohnung und zogen im Dezember 2009 dort ein.
 
Jetzt leben wir schon 7 Jahre gemeinsam in dieser Wohnung und sind glücklich.
Inzwischen sind wir auch verlobt
und wollen den Rest unseres Leben gemeinsam verbringen.
 
Fortsetzung folgt ...
 
 
 
 
 
 
... irgendwann !