Spielen
ist die natürlichste Sache der Welt.
Jeder Mensch spielt irgendwann und das ist auch gut so.
Soziales Verhalten lernt man als Kind durch Spiele.
Mal spielt man miteinander und mal gegeneinander.
Niederlagen im Spiel sind nicht so schlimm.
Man lernt damit umzugehen und kann so auch wirkliche
Niederlagen oder Rückschläge besser bewältigen.
Nur wer Niederlagen kennt, lernt auch Gewinne richtig zu schätzen.

Auch ich habe in meinem Leben viel gespielt,
wahrscheinlich sogar etwas zu viel.
Schon als Kind war ich ein Einzelgänger.
Mit anderen Kindern Cowboy und Indianer spielen machte mir keinen Spass.
Vermutlich weil ich meist zu den Verlierern gehörte.
Meine Eltern steckten mich in den Fußball-Verein.
Naja, lange war ich dort nicht.
Unser Trainer meinte unbedingt mitspielen zu müssen
und traf statt des Balles den Kopf eines der Kinder.
Zum Glück war nicht viel passiert,
aber für mich war es das Ende meiner Fußball-Karriere.
Da spielte ich doch lieber in meinem Zimmer mit Lego-Bausteinen.
Das war längst nicht so gefährlich.

Im Gymnasium begann dann ein neues Spiel.
Es gab dort ein Mädchen, das mir gefiel.
Täglich hänselten und neckten wir uns gegenseitig.
Natürlich war es nicht böse gemeint.
Es war ein Spiel, eben unsere Art zu sagen
"Ich mag dich"

Wenn ich Heute im Radio
"Yes Sir, I can boogie" von Baccara höre,
muss ich unwillkürlich an sie denken.
Zu dieser Melodie versuchten wir unseren ersten gemeinsamen Tanz.

Ungefähr zeitgleich mit meinem 18 Geburtstag
wurden bei uns die ersten Spielhallen eröffnet.
Was ist schon dabei gelegentlich mal ein paar Mark
in so einen Spielautomaten zu werfen, dachte ich.
Man kann ja auch Geld gewinnen.
Leider sollte es nicht bei den paar Mark bleiben.
Sehr schnell war ich spielsüchtig geworden,
doch bemerkt habe ich es nicht.
Jede Mark, die ich hatte,
wurde in so einen Automaten gesteckt.
 
Wie viel Geld ich insgesamt verspielt habe ?
 
Welcher Spieler zählt schon seine Verluste ?
Aber eine kleine Eigentumswohnung dürfte
es schon gewesen sein.
 
Leider verspielt man nicht nur Geld.
Man verliert auch das Vertrauen
und die Zuneigung der Menschen,
die man eigentlich sehr lieb hat.

Eine Zeit lang besuchte ich in Münster eine Gruppe der anonymen Spieler.
Bei den Treffen wurde entweder von Rückfällen berichtet,
oder man prahlte damit schon x Tage nicht gespielt zu haben.
Und nach so einem Treffen ging ich dann oft in die nächste Spielhalle.
 
Oh man, was war ich für ein Idiot.
 
So kam ich von den Automaten nicht los.
Erst als das Spiel sich veränderte verloren die Automaten für mich den Reiz.
Es waren keine Spielautomaten mehr,
sondern nur noch Geld-Schluck-Maschinen.
Da spiele ich doch lieber am Computer Simulationen von diesen Automaten.
Dabei kann ich wenigsten kein Geld verlieren.

Auch das Spielen am Computer gehört zu meinen Leidenschaften.
Bei meinem ATARI 800XL war es Silicon Dreams,
ein englisches Text-Adventure, das mich fesselte.
Ich spielte es Wochen, oder sogar Monate, lang
und schaffte trotzdem nicht mal das erste Drittel.

Bei Facebook fand ich das Städtebauspiel Cityville und spielte es rund 4 Jahre.
Es machte Spass eine Stadt zu bauen und die diversen Aufgaben zu lösen.
Mit diesem Spiel kannte ich mich aus
und konnte auch anderen Spielern wertvolle Tipps geben.
Leider wurde Cityville im Frühjahr 2015 eingestellt.
Als Ersatz wählte ich SuperCity (ein sehr ähnliches Spiel)
und betreibe nun eine erfolgreiche Hilfeseite zu diesem Spiel.

Schon seit einigen Jahren steht in meinem Bücherregal
(Ja, so etwas habe ich auch.)
der Roman "Das grosse Spiel" von Orson Scott Card.
Auf einer fiktiven Erde der Zukunft werden
ausgewählte Kinder vom Militär zum Spielen angehalten.
Für die Kinder sind es nur Spiele.
Doch in Wirklichkeit steuern sie so spielerisch eine Invasionsflotte
gegen außerirdische Lebewesen und vernichten sie.
 
Nur wer nicht weiß was es heißt ein Lebewesen zu töten,
kann dies ohne Skrupel tun.
 
Dieser Roman wurde inzwischen auch verfilmt.
Nach meiner Meinung ist das Buch viel besser.

Die Fortsetzung dieses Romans "Sprecher für die Toten"
hat einen religiösen Touch.
Eine Person stellt sich an ein Grab und hält eine besondere Grabrede.
Es wird nicht über den Toten geredet.
Nein, es wird alles das gesagt was der Tote zu Lebzeiten,
aus den verschiedensten Gründen, nicht aussprechen konnte.
 
So einen Sprecher für die Toten wünsche ich mir auch.
 
Was der wohl alles ausplaudern würde ???