Deutschland - Nordrheinwestfalen - linker Niederrhein
An der Bahnstrecke Krefeld - Kleve liegt der Ort Kevelaer.
Warum ich mit Kevelaer beginne,
obwohl das Ortsschild doch von Kervenheim ist ?
Ganz simpel:
Kervenheim ist ein Nachbarort von Kevelaer.
1969 wurde der Ort eingemeindet
und heißt seit dem offiziell Kevelaer 2.
 
Hochhäuser sucht man in Kevelaer vergeblich.
Alle höheren Gebäude sind Schornsteine,
Wasser- oder eben Kirchtürme.
Davon gibt es eine ganze Reihe,
denn Kevelaer ist ein bekannter Wallfahrtsort.
Sogar der Pabst war schon dort
und hat sich, in der Gnadenkapelle,
das berühmte Marienbildchen angeschaut.
Keine Angst !!!
Es folgt nun kein Exkurs in die Geschichte dieser kleinen Stadt.
Manche Einwohner nennen Kevelaer liebevoll "Weihrauchcity".
Im Marienhospital in Kevelaer
wurde ich am 23.August 1962 geboren.
Meine Eltern, Irmtraud und Heinz, hatten bereits drei Kinder.
(Jürgen 16, Bärbel 14 und Marianne 12 Jahre alt)
Als Nachzögling war ich der ganze Stolz meiner Eltern.
Ein richtiger Wonneproppen soll ich gewesen sein.
Durch meine älteren Geschwister
lernte ich recht früh lesen, schreiben und rechnen.
In der Grundschule konnte ich das dann schon.
Da man bei der Einschulung bei mir einen Sehfehler feststellte,
wurde ich zum Brillenträger.
In der Grundschule erhielt ich den Spitznamen "Professor".
Vermutlich benehme ich mich auch Heute noch,
zumindest gelegentlich, wie so ein Gelehrter.
Mein Vater war Alkoholiker
und meine Mutter eine herzensgute Frau.
Beide liebten mich auf ihre Art.
Jeder Wunsch wurde mir erfüllt,
auch wenn das nicht immer leicht war.
Nur körperliche Liebe, z.B. eine Umarmung, gab es nicht.
In den Ferien verreisten meine Mutter und ich recht oft.
Mit 4 Jahren war ich das erste Mal in Spanien.
Später folgten weitere Reisen nach Spanien,
Frankreich, Rumänien und England.
Eines der wenigen Bilder aller vier Geschwister.
Jürgen hatte wohl mit 16 etwas Ärger mit der Polizei.
Unser Vater soll ihn daraufhin raus geworfen haben.
Als Obdachloser und Saisonarbeiter ist er jahrelang
zwischen Nord- und Süddeutschland hin und her gezogen.
Wirklich kennengelernt habe ich ihn leider nicht.
Nur extrem selten hat er uns besucht.
Marianne hat früh geheiratet und ist mit ihrem Mann Peter
erst nach Kevelaer und später nach Geldern gezogen.
Etwas später hat auch Bärbel geheiratet.
Sie zog mit ihrem Mann Wilfried nach Lohmar.
Dieser Ort ist zwar nur etwa 120 Kilometer entfernt,
trotzdem war ein Besuch immer eine halbe Weltreise.
Der Kontakt zu ihr brach zwar nicht komplett ab,
aber er beschränkte sich auf ein Minimum.
In diesem Haus in Kervenheim lebten wir damals
in eher bescheidenen Verhältnissen.
 
Ich wurde zum Einzelgänger.
In dieser Zeit habe ich viel gelesen,
hauptsächlich Science Fiction oder Fantasy Romane.
Irgendwie lebte ich in meiner eigenen Welt.
Die Sandfläche eines Spielplatzes wurde zur Wüste,
oder zu einem fremden Planeten,
wo ich zahlreiche Abenteuer erlebte.
Im Sommer wurde die Fleuth zu einem Strom
mit Krokodilen, Haien oder richtigen Ungeheuern.
Ja, an Phantasie mangelte es mir wirklich nicht.
Wegen meiner sehr guten schulischen Leistungen
kam ich nach der Grundschule
zum Kardinal von Galen Gymnasium in Kevelaer.
Dort gingen meine Noten allerdings in den Keller.
Gelernt wie man richtig lernt hatte ich bisher nicht
und nun war es dafür zu spät.
In der Pubertät änderte sich natürlich auch bei mir das Verhältnis zum anderen Geschlecht.
Monika war eine Mitschülerin.
Ständig hänselten wir uns.
Das war aber nicht böse gemeint.
Es war eher unsere Art zu zeigen, dass wir uns gern hatten.
War sie einen Tag nicht in der Schule,
schon vermisste ich sie und machte mir Sorgen.
Ein Mal sind wir gemeinsam zur Schul-Disco gegangen.
Zum Lied "Yes Sir, I can boogie" vom Duo Baccara
hielt ich sie zum ersten Mal in den Armen
und wir tanzten in den siebten Himmel.
Selbst wenn ich Heute zufällig dieses Lied höre,
muss ich sofort an Monika denken.
Wie gerne hätte ich ihr gesagt, oder sogar gezeigt,
was ich für sie empfand.
Getan habe ich es allerdings nicht wirklich.
Nicht nur, aber auch,
weil meine Gedanken meistens bei ihr waren
durfte ich das achte Schuljahr wiederholen.
Das war allerdings der Anfang vom Ende unserer Beziehung.
Wir besuchten beide die gleiche Schule.
Gelegentlich sahen wir uns und wir blieben Freunde.
Immer wieder träumte ich davon irgendwann die Liebe meines Lebens zu finden.
Ich würde sie sehen und sofort wissen, dass es die Richtige ist.
Natürlich würde es ihr auch so gehen
und wir würden glücklich bis zum Ende unseres Leben sein.
 
Nach dem zehnten Schuljahr sollte ich das Gymnasium verlassen.
Mein Vater meinte, ich solle endlich arbeiten gehen und Geld verdienen.
Dazu hatte ich aber gar keine Lust.
Wozu hatte ich mich durch das Gymnasium gequält, nur um jetzt eine Lehre zu machen ?
Es wurden zwar ein paar wenige Bewerbungen verschickt,
doch ich wollte lieber weiter bis zum Abitur machen.
In der Oberstufe gab es keine Klassen mehr.
Jeder Schüler besuchte nur noch Kurse.
Mit Physik und Mathematik als Leistungskurs
gehörte ich zu einer sehr kleinen Gruppe von Schülern.
Auch einen Philosophie-Kurs besuchte ich.
Die Noten in diesem Kurs waren für mich nicht so wichtig.
Der Lehrer war echt gut drauf und verlegte den Unterricht manchmal in ein Café. Das machte richtig Spass.
In diesem Kurs gab es auch ein Liebespaar,
Amelie und Gerd, und mit beiden war ich locker befreundet.
Bei Amelie fand irgendwann eine Kursfete statt. Plötzlich warf sich mir eine andere Mitschülerin an den Hals und wir küssten uns. In diesem Moment brannten bei mir sämtliche Sicherungen durch. Wäre nicht eine ihrer Freundinnen dazwischen gegangen, wer weiß wohin das noch geführt hätte.
Eva-Maria, sie hatte sich mir an den Hals geworfen, war eine gute Freundin von Amelie. Sie fühlte sich einsam und hatte Amelie ihr Leid geklagt. Amelie gab ihr den Rat, sich einfach den ersten Typen, der vorbei geht zu schnappen. Genau das hatte sie getan und durch Zufall mich erwischt.
Von da an verbrachten Amelie, Gerd, Eva-Marie und ich viel Zeit zusammen. Manche sahen Eva-Maria und mich als Paar an. Ich hätte es mir gewünscht, doch wir waren kein Paar.
Für Eva-Maria war ich nur eine Art Alibifreund, während sie sich auch mit etwas älteren Männern traf.

 
Irgendwann beendete ich diese Geschichte und war wieder allein.
 
Mit ingesamt drei Ehrenrunden schaffte ich es bis zum Abitur.
Warum einfach wenn es auch kompliziert geht, dachte ich wohl und durfte auch im Abitur Nachprüfungen ablegen. Als letztes sollte eine mündliche Physik-Prüfung stattfinden. Egal mit welcher Note ich diese Prüfung ablege, mein Abitur hatte ich in der Tasche. Normal findet so eine Prüfung nur vor den Augen von drei Lehrern statt. Als ich allerdings den Raum betrat war dieser gut mit mir fremden Personen gefüllt.
"Guten Tag", sagte ich. "Damit war ich anwesend und nun gehe ich wieder."
Mein Lehrer war geschockt.
Später erfuhr ich, dass er ohne mein Wissen extra Personen vom Kultusministerium zu dieser Prüfung eingeladen hatte und nun, durch meine Aussage, total blamiert worden war.
Tja, Pech für ihn.
Die Prüfung wurde mit Null Punkten gewertet und ich hatte mein Abitur trotzdem.
Doch wie sollte es nun mit mir weiter gehen ?
Ursprünglich wollte ich mich für 12 Jahre bei der Bundeswehr verpfichten,
doch ich wurde wegen des Sehfehlers ausgemustert.
Einen Studienplatz für Elektrotechnik in Aachen erhielt ich zwar,
doch ich konnte ihn nicht antreten.
Erst bei der Einschreibung erfuhr ich von einem Praktikum,
das ich hätte vorher machen müssen.
In einer ländlichen Gegend, wie dem Niederrhein, fand ich leider keine Firma in der ich so ein Praktikum hätte machen können.
Ich wollte aber unbedingt mein Elternhaus verlassen und endlich auf eigenen Beinen stehen.
Wie ich das geschafft habe steht auf der Seite Münster.